
Sabine Grundmann
verheiratet mit dem Maler und Grafiker Ingo Grundmann
drei Töchter: Elisabeth, Wanda und Inga
Telefon und Fax: 039995-70000
sabine-grundmann@web.de
1962 in Leipzig geboren
Ausbildung als Buchbinderin und Paramentikerin
Studium an der Hochschule für Kunst und Design Halle, Burg Giebichenstein bei Frau Prof. Götze
1991 Diplom im Fach Textilkunst
1992 Gastlehrerin an der Kunsthandwerkschule Kerteminde, Dänemark
Arbeit als Textilkünstlerin und Modedesignerin
Lehrtätigkeit an der Grafik+Design-Schule Anklam und als Kunsterzieherin an einer privaten Regionalschule
"Triennale des Norddeutschen Kunsthandwerks" 1997, 2000, 2003 und 2006
"Heringsdorf goes Fashion" 2000, 2001 und 2002
"Baltic Fashion Award" 2002
Grassimesse Leipzig 2003
Vom Handwerk zum Kunstwerk
Sabine Grundmann hat jüngst einen Preis in einer Disziplin gewonnen, der für hart und mitleidlos geführten Konkurrenzkampf bekannt ist: in der Mode. Man zeichnete Phantasie und Wagemut der in der Branche unbekannten Künstlerin aus, die Corsagen aus Weidengeflecht und Pergament vorstellte, vor allem aber mit Seidengewändern im wirkungsvollen Shibori-Verfahren überzeugte.
Herausforderungen wie den Wettbewerb in einer fremden Branche empfindet Sabine Grundmann eher als Stimulans, denn als Hindernis, das zeigte schon die Wahl ihrer Diplomarbeit, für das sie sich erfolgreich in das berühmte historische Verfahren fernöstlicher Prachtroben einarbeitete, welches in Europa weitgehend unbekannt ist. Sie dürfte zumindest in Deutschland die Einzige sein, der es schließlich gelang, die für die Musterung und Färbung feiner Seiden ersonnene japanische Falt- und Abbindetechnik auch auf große Raumobjekte aus Pergament anzuwenden.
Ihre Freude am vielseitigen Experiment bewiesen in den neunziger Jahren Installationen mit Figurinen, Schilden und "Riesen"-Kokons aus Weide, Stroh und Pergament. Heute gelten ihre Versuche, in Neuland vorzustoßen neben gelegentlich lockenden Modekreationen vorzugsweise der Auseinandersetzung mit Geweben aus den neuesten, technologisch avantgardistischen Materialien, die Textilkünstler meist instinktiv ablehnen.
Neben der spielerischen Neugier auf die Möglichkeiten extremer Werkstoffe verbindet aber vor allem eines alle Arbeiten von Sabine Grundmann: eine fast orientalische Lust an Ornament und Farbe, die sie mit allen ihren Mitteln zum Leuchten bringt.
Prof. Barbara Mundt (Berlin)
Kuratorin der 14. Landesweiten Kunstschau Mecklenburg-Vorpommern 2004

Rückkehr der Engel
230x160cm
1991

Schilde
je 160x40cm
1996

Kokon
80x60x60cm
1996

goldblaue Faltung
200x400cm
1999

goldblaue Faltung
Detail
1999

Baltic Fashion Award
2002

Blauauge
2002

Shibori
Färbetechnik
2002

Shibori
Färbetechnik
2002

Prinzesskleid
2001

lichtblaues Ensemble
2002

blaue Korsage
2002

Ensemble aus plissierter Wolle
2002
Kleiderkunst von Sabine Grundmann
Außerordentliches ist in der Mode so selten wie in der Kunst. Um sich anregen zu lassen, legen Mode- und Bildende Künstler oft weite Wege zurück. Es müssen aber nicht immer ferne und exotische Regionen sein, die die Kreativität beflügeln. Zwischen vorpommerschen Feldern in einem Ort namens Medrow hat eine begabte Designerin ihren Lebensort gefunden. Sabine Grundmann hat sich dorthin zurückgezogen, wo sich unter dem hohen Himmel der östlichen Landschaft schöpferische Ideen ungestört entfalten können. Zur Realisierung ihrer Vorstellungen von Kunst und Mode benutzte sie von Anfang an ungewöhnliche Materialien wie handbemaltes Pergament und Weidengeflecht im Verein mit kunstvoll gefärbten Fasern aus Seide und Stoffen aus der Retorte. Ihre jüngsten Ergebnisse – einfallsreiche Mode zum Anziehen – konnte die Modewelt zuerst bei ihren Auftritten während des Modespektakels "Heringsdorf goes Fashion" im populären Ostseebad gleichen Namens kennenlernen. Daraufhin richtet das Mecklenburg-Vorpommersche Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur ihrer Textilkunst in Schwerin umgehend eine Ausstellung aus.
Wie es dazu kam, dass Sabine Grundmann bei der Mode landete? Bevor die gebürtige Leipzigerin sich entschloß, Bildende Kunst zu studieren, hatte sie den Beruf einer Buchbinderin erlernt. Damals stand sie im Bann ungegerbten Leders, also Pergaments. Das führte sie zunächst zur Beschäftigung mit Paramenten. Auf Burg Giebichenstein bevorzugte sie bei ihrer weiterführenden Ausbildung nach der kirchlichen Textilkunst die profane Variante mit Textilkunst pur. Damals war sie aber noch weit davon entfernt, sich der Mode zuzuwenden und Kleider in ihre künstlerische Arbeit einzubeziehen. Ihre ersten Arbeiten bestanden aus großformatigen Reliefbildern kirchenfensterbunt leuchtenden Pergaments oder Installationen aus zehn Meter langen, nach der altjapanischen Manier der Shibori- Technik eingefärbten Seidenbahnen; diese Technik geht bis ins siebte Jahrhundert zurück. Dabei werden einzelne Stoffpartien verschiedenartig zusammengenäht, gefärbt und aufgetrennt. Aufsehen erregte die besondere Faltung und Brechung des Materials. Mit Bezeichnungen wie "Rückkehr der Engel" oder "Sommertag" wurde der Bildcharakter betont. Erstmals behielt das Textile bei den Kokons aus Weide die Oberhand, die sie mit bunten Pergamentschnipseln garnierte. Diese filigranen Körper bildeten den Weg zu Korsagen aus selbst eingefärbten Baststrängen, pastellfarben gehaltenem Flechtrohr oder Streifen schillernd bunt bemalten, von ihr gefügig gemachten Pergamentes, die sie mit minikurzen oder wahlweise langen Röcken aus handgewebten Stoffen assortierte. Viele Stunden nehmen solche Flechtwerke in Anspruch; Ihre modischen Attribute, die sie im Unterschied zu den raum- und wandfüllenden Großobjekten als "kleine Form" bezeichnet, haben lange nur die Kleiderpuppen ihres Ateliers geschmückt. Erst der Organisator von "Heringsdorf goes Fashion", Dr. Karl Rainer von der Ahé, erkannte den hohen Showwert ihrer Kreationen. Bei ihrem Auftreten in Heringdorf begeisterten ihre Roben ein modeverständiges Publikum, besonders wenn sie Unikate zu perfekten Tableaux arrangiert, ein Höhepunkt jeder Modenschau. Hatte es die Designerin in ihrer Bescheidenheit vor gar nicht langer Zeit noch kaum für möglich gehalten, ihre Modelle je an lebenden Körpern zu erleben, freut sie sich jetzt über das Echo, das sie weit über ihren pommerschen Wirkungskreis hinaus in der Modewelt mit leichte Sommerstoffen aus Kunstfaser findet, besonders wenn ihre Struktur durch Plissees noch besser zum Tragen kommt. All das gibt ihren Modellen zusätzlich Relief, darin ist sie Issey Miyake nicht unähnlich.
Von der Stoffentwicklung und Farbgebung zur endgültigen, ungewöhnlichen Formgebung: die Anregungen dazu haben sich für die Kleiderkünstlerin aus Pommernland nicht nur dank ihrer verschiedenen Ausbildungswege ergeben; sie sind nicht zuletzt das Resultat ungewöhnlicher Fantasie. Dabei darf nicht übersehen werden, dass zu DDR-Zeiten und deren Materialknappheit Vorstellungkraft und Mut besonders gefragt waren, wenn man Ideen abseits des Mainstreams durchsetzen wolle. Um dieses Kapital ist die Künstlerin nicht genug zu beneiden. So konnte wahr werden, was sich Sabine Grundmann in ihren kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können: das ihre Kleiderfindungen eines Tages tatsächlich an lebendigen Menschen Furore machen würden.
Dorothea Kreppel-Roth
Frühjahr 2002
Redakteurin Süddeutsche Zeitung
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