ausstellung 2006
Ausstellungsraum der Luftschlosserei Passentin 2006
Fotodokumentation von Annegret Clemens und Skulpturen von Christina Rode
Arbeiten von Sabine Grundmann und Tine Löber
Arbeit von Sabine Grundmann
Arbeiten von Christina Rode, Barbara Wetzel und Sabine Grundmann
Ausstellungseröffnung in der Wollhalle Güstrow Oktober 2006
Zur Ausstellung Medea in der Wollhalle Güstrow
Medea- Enkelin der Gaya und Urenkelin des Sonnengottes Helios,
Halbgöttin, Priesterin der Hekate, Königstochter,
ausgestattet mit altem matriarchalem Wissen,
Zauberkraft, Stärke, Schönheit, Weisheit, Aufrichtigkeit, Klarheit.
Medea - aus einer Zeit, als Licht und Schatten noch unbewertet
auch im menschlichen Ausdruck existierten, wie Urmutter Gaya,
als gebärende und zerstörende Mutter, mit Dunkelheit,
Weiblichkeit als warme weiche Formlosigkeit, amorphe Urmasse,
aus der das Leben entsteht und in die alles Leben mit dem Tode eingeht.
Dunkelheit - Schwarz - die Anwesenheit von allen Facetten und Varietäten des Lebens,
alle Strukturen und Farben überlagern sich zu einem dichten Gewebe aus Undurchdringlichem,
Unfassbarem; heben sich auf, komprimieren sich,
Wärme entsteht. Aus dieser Dunkelheit entsteht alles neu.
Die Bewertung einer alten, vorantiken, mythologischen Figur
durch patriarchale Geschichtsschreibung zu hinterfragen,
sie vorbehaltlos anzuschauen, sich ihr zu nähern,
einen Blick zu wagen zwischen die Kettfäden des Zeitenteppichs
und festzustellen: das Gewebe ist dünnhäutig, die Figuren uns nicht so fremd. Die Geschichtshandlung steht gleichnishaft für heute von uns Erlebbarem.
Diese Auseinandersetzung hat neun Frauen und Künstlerinnen zusammengebracht. Künstlerinnen mit Kindern, 30 Kindern.
Was sie vorab verband? Der Alltag mit den Kindern heißt 24 Stunden gefordert sein,
das Trotzdem oder Gerade-deshalb Kunst schaffen,
der Wille zum künstlerischen Ausdruck und das Unbedingte des künstlerischen Arbeitens,
sich den Herausforderungen des Kunstmarktes zu stellen,
mit einer Schar Kinder im Schlepptau, und immer wieder auch von den Kindern zu lernen.
Erlebbar wurde das alles für die neun Künstlerinnen und ihre Kinder in zwei
Augustwochen gemeinsamen Lebens und gemeinsamer Arbeit
in der Passentiner Luftschlosserei. Dort näherten sie sich nicht nur dem anspruchsvollem Thema,
sondern erarbeiteten zusammen eine Internetpräsenz,
ein Plakat, ein Buch und eine Ausstellung.
Was? Das alles in zwei Wochen? Zuviel Ehrgeiz? Oder die glasklare Erfahrung der Mütter,
das man die Energien durchaus bündelt mit hochgesteckten Zielen,
auch wenn man oft damit leben lernt, dass es doch nicht so schnell geht?
So gestaltete sich auch das Leben und die Arbeit in der Passentiner Luftschlosserei
nicht ohne Reibung.
Das große Geschenk der gemeinsamen Arbeit wurde vor allem das Erlebnis des
vorsichtigen, achtsamen Umgangs so unterschiedlicher Frauen und Künstlerinnen
miteinander und mit ihren Kindern. Konkurrenzlos die Andere in ihrer Andersartigkeit,
ihrer Einzigartigkeit, mit ihrer eigenen Meinung, in ihrer Wahrhaftigkeit kennen zu lernen,
achten und verstehen zu lernen.
Was die Künstlerinnen und ihre Kinder geschaffen haben, zeigt in gelungener
Weise die Ausstellung " Medea - Künstlerinnen mit Kindern" in der Güstrower Wollhalle,
welche seit dem 21.Oktober im Rahmen der Landesweiten Kunstschau
des Künstlerbundes Mecklenburg/Vorpommern stattfindet.
Neun verschiedene Positionen und Sichtweisen stellen sich in dieser gelungenen
Präsentation dem Besucher der Wollhalle noch bis zum 26.11. Das zum Projekt
erschienene Künstlerbuch präsentiert Texte der Lyrikerin Silke Peters
mit den Arbeiten der anderen, Bildenen Künstlerinnen Barbara Wetzel/Bildhauerin,
Ute Gallmeister/Malerin, Barbara Schreiber/Textilgestalterin, Simone Miller/Malerin,
Christina Rode/Bildhauerin, Sabine Grundmann/Textilgestalterin,
Elke Tierpitz/Spiegelbauerin und Tine Löber/Keramikerin sowie deren Kindern,
Gedanken und Textauszüge miteinander auf gelungene Weise verwoben.
Im Vorfeld des Projektes begleitete die Fotografin Annegret Klemens die Künstlerinnen
in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld zwei bis drei Tage mit der Kamera,
die entstandenen Fotografien sind Teil der Ausstellung.
Kerstin Baarmann betreute das Projekt in Gestaltungs- und Druckfragen.
Eine große Hilfe war auch die liebevolle Arbeit von Juliane Grefe,
welche die anwesenden Kinder mitbetreut, mit ihnen gespielt, gewandert, geredet
und sie zu einer starken, alle Kinder stärkenden Gruppe gemacht hat.
Simone Miller